Zwischen Ackerland und Fördertürmen

Ein kurzer Rückblick in die Geschichte
 
Ein Fremder, der sein Wissen über den "Ruhrpott" nur aus Büchern bezog und nun an einem schönen Sonnentag durch den Kreis Unna wandert, wird aus dem Staunen nicht herauskommen. So völlig anders präsentiert sich das Land, über das er sich seine Vorstellung gemacht hat. Hier dominiert nicht die graue Farbe, wie er sich das vorstellte, sondern vielmehr das Grün.

Viele tausend Jahre war der Landstrich längs des Hellwegs reines Bauernland mit einem Menschenschlag, der dem Münsterländer eng verwandt ist: selbstbewußt, hart und fleißig, dabei eher etwas verschlossen als leichtlebig. Ein seltsames Volk war hier ansässig. Gebunden das Temperament, versteckt der Humor, nur schwer ging das leichte heitere Wort von der Zunge. Der Boden und die Arbeit hat die Leute schweigsam gemacht. Wenn aber die Lust einmal wach geworden, dann schäumte sie über wie das Bier, das im benachbarten Dortmund gebraut wurde.

Über Land und Leute am Hellweg, der Heimat von Bauern aber auch bekannter Staatsdiener, haben freilich andere bereits viel ausgesagt. Schließlich ist es von Methler aus nur ein strammer Fussmarsch bis zur Heimat und den Bauerngütern derer von Bodelschwingh auf Haus Velmede in Weddinghofen, Männern, die ihren Namen in die preussische Geschichte geschrieben haben.

Und inmitten dieses Bauernlandes lagen die Bauernschaften wie Westick, Wassercourl oder Methler mit seiner weit ins Land blickenden, altehrwürdigen Margarethenkirche. Guter ertragsreicher Boden brachte den Bauern Wohlstand. Daß aber auch weiterer Wohlstand unter den wogenden Ährenfeldern ruhte, wußte man damals noch nicht. Man schrieb schon die Jahre 1853 und 1873, als im seinerzeitigen Courl und in Kamen mit der Schachtabteufung für die zu dieser Zeit festgestellten Kohlenflöze begonnen wurde. Es war die Zeit, als hier die ersten Bergmannsiedlungen entstanden.

Damals, das wissen die Alteingesessenen, erhielten zahlreiche Bergleute, die überwiegend aus den deutschen Ostprovinzen stammten und auf der Zeche "Courl" Beschäftigung fanden, in acht Sektionen eine neue Heimat. Die Bevölkerung nahm rasch zu und ihre bislang stabile ländliche Struktur wandelte sich. Die Ansiedlung von etwa 350 Bergarbeiterfamilien nach 1870 in den Sektionen der Kaiserau verteilte sich auf die Gemarkungen der inzwischen zu Dörfern herangewachsenen Gemeinden Methler und Westick.

Die ersten Sektionen benannte man nach einer alten Flurbezeichnung "Im Königsort". Dieser Name wurde nach der Kaiserproklamation 1871 im Zuge der allgemeinen patriotischen Begeisterung in Kaiserau umgeändert und bald auf die ganze Siedlung übertragen. Die Sozialstruktur der Bevölkerung entwickelte sich bis in die 30er Jahre in einer nicht wünschenswerten Richtung, was wesentlich durch die Wohnverhältnisse in den Bergmannssiedlungen zu erklären ist.

Durch die Folgen des 2. Weltkrieges kamen in den Raum Methler weitere Familien, deren Tradition nicht im heimischen Raum verwurzelt waren. Der Verfall der in sich geschlossenen Bauernkultur und die Kräfte, welche die neuen Bewohner ihrer Arbeit ausserhalb des Wohngebietes suchen liessen, bedingte in immer stärkerem Masse den Wunsch nach einem menschlichen Zusammenfinden im Wohngebiet. Es bildeten sich nach dem letzten Krieg zahlreiche Vereine, welche das Zusammenfinden dieser heterogenen Bevölkerung rund um die Kaiserau fördern sollten.